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Nachkriegserinnerungen

Heute ist der 17.11.2019.
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Dorothea Blache
Kantorin i.R.

Erinnerungen an den Wiederaufbau der Kirche in der Nachkriegszeit
Die heute noch zu bewundernde Deckenmalerei stammt aus der letzten Renovierung der Kirche in den Jahren 1936-1938. Damals war Karl von Oppen Patron der Kirche, und Herr Schliephacke war Pfarrer.
Nach dem Ende des Krieges, im Jahre 1945, wurde die Kirche geplündert. Fenster und Uhr waren vom Beschuss kaputt, Bänke und Altar waren heraus gerissen, alte, historisch wertvolle Kirchenakten wurden bei der Plünderung verbrannt. Im Schutt fanden die Altfriedländer die Taufschale, 2 Leuchter, einen der drei Abendmahlskelche, die einst schon Fontane erwähnt hatte, eine große Bibel mit handschriftlichen Eintragungen von 1598, ein großes Gesangbuch (Spangenberg 1520, Urdruck!). Die beiden Leuchter, die den Krieg überlebt hatten, waren im Jahre 1924 von den Oppens anlässlich des Todes einer Verwandten gespendet worden. Geburtstag und Sterbetag sind eingraviert und noch heute zu erkennen.
Die Orgel (Buchholz, Berlin ca. 1850, 1 Manual, 14 Register) war nicht reparabel. Ab 1948 war Pastor Stiehm Inhaber der Pfarrstelle und räumte weiter auf: Die Heuplanen verschwanden von den offenen Fenstern, Bänke und Altar wurden neu angefertigt, ein Kreuz wurde von den Mitgliedern der Kirchengemeinde (Familie Georg) gespendet, und die Orgel wurde neu konzipiert.
Im Advent 1954 konnte die neue, 2manualige Orgel (Alexander Schuke, Schleifladen) übergeben werden. 1957 wurden die Blautöne, die an der Decke zu erkennen sind, auch auf die Bänke übertragen. Das heute noch gut zu erkennende Blattgold an den Ornamenten der Kanzel konnten wir von Westberlin holen, die Malerfirma Balke trug das Blattgold an der Kanzel auf. Vorher waren leichte Beschädigungen an Kanzel und Taufstein nachgeschnitzt worden. Zur Zeit der Restaurierung war die Kirchenleitung in Westberlin und konnte vielerlei Hilfen vermitteln. Erst mit der Mauer wurde die Kirche „Berlin-Brandenburg“ gestört. Seit den 70er Jahren besuchten immer mehr Touristen die Klosterkirche. In meiner Amtszeit gab es einen Kirchenchor und regelmäßige Konzerte, alle Programme sind vorhanden.

Pfarrer Stiehm und FrauPfarrer Stiehm (ab 1948), der Chor und anderes mehr...
Bild links: Pfarrer Stiehm und Ehefrau.

Als Pfarrer Stiehm (Nachfolger von Pfarrer Schliephacke) mit seiner Frau die Pfarrstelle Altfriedland ansehen wollte, kamen sie völlig kaputt zu Fuß vom Bahnhof Neutrebbin in der Bäckerei an. "Das letzte Brot hat Frau Lenz gekauft, gehen Sie mal dort hin..." Frau Lenz nahm die müden Wanderer mit großer Herzlichkeit gleich über Nacht auf. Kirche und Pfarrhaus waren wüst. Im Pfarrhaus wohnten 25 Flüchtlnge, in jedem Zimmer eine andere Familie. Einzelne Fenster waren mit Pappe vernagelt, Schrauben an den alten Öfen waren geklaut, der Stall zur Materialnutzung abgedeckt. Der Ortspolizist, bei dem der Pfarrer um Freimachung der Pfarrwohnung bat, sagte: "Ich habe alle Akten in einem Schreibtisch..." Pfarrer Stiehm fand die Gemeinde in guter Ordnung, alles andere könne aufgeräumt und geklärt werden. Kirchenältester Willi Winz pflügte den Pfarrgarten, schleppte jeden Sonntag mit Pferd und "Schleppe" (ein großer Sandschlitten) mit dem Harmonium in die Kirche und zurück. Die Orgel in der Kirche war zerstört, und das Harmonium (heute noch zu sehen im alten Pfarrhaus) sollte nicht die ganze Woche hinweg in der offenen Kirche stehen bleiben (wegen Feuchtigkeit). Am 01.08.1948 begann der Dienst von Pfarrer Stiehm; es waren 3 Zimmer zum Einzug frei. Die Flüchtlinge im Pfarrhaus benutzten gemeinsam mit der Pfarrerfamilie eine Küche. Nach und nach, über einen langen Zeitraum, konnten die Flüchtlinge in eigenen Wohnungen untergebracht werden. Mit Junglehrer Biesel entspann sich bald Haus- und Kirchenmusik: Geige-Cello-Flöte-Klavier. Der Lehrer hatte später eine große Mandolinenarbeit in der Schule.

Chor Altfriedland Bild links: Chor Altriedland, ca. 1950.

Otto Stiehm schrieb ein Krippenspiel, das zuerst im Gasthaussaal gespielt wurde. Es ging dann durch die Dörfer und später spielten es die ehemaligen Jugendlichen als Eltern und Großeltern immer wieder zu Weihnachten. Als wir einen Chor gründeten, erklärte der Schmied (Pernau): "Ich mache mit. Ich habe zwar schon in der Schmiede gesungen, aber noch nie in einem Chor." Zu allen Gelegenheiten wurde mehrstimmig gesungen: Gottesdienste, Feiern, Feste, Krippenspiel. In den fünfziger Jahren verloren wir einige Sänger durch die Flucht nach Westen. Das Gelände am See und die große Kirche boten sich an für größere Kreisveranstaltungen der Kirche. Für Kreisfamilienfeste schrieb Pfarrer Hanke später gern Spiele, die die Gemeinde darstellten, sowie zur Geschichte der Kirche und zum Buch "Momo" von Michael Ende. In der Christenlehre waren nicht nur Kinder aus Altfriedland, sondern immer auch 20-30 Kinder aus Neufriedland, Gottesgabe und Karlsdorf. Mit einem sogenannten "Lange-Erlass" sollte die Christenlehre nach der Schule gestört werden. Es wurden 2 Stunden Pause zwischen Schule und Christenlehre verlangt. Die Kinder sollten nach der Schule nach Hause gehen und hätten keine Möglichkeit gehabt, aus den Dörfern zurück zu kommen. Da kochte Frau Stiehm für die auswärtigen Kinder ein kleines Mittgessen und die Pause war gefüllt. Die Christenlehre konnte stattfinden. Die Jugendweihe gab es für Atheisten schon seit der Jahrhundertwende, in den 50er Jahren sollte jedoch die Jugendweihe zum Ersatz für die Konfirmation werden. Dagegen gab es große Unruhe, auch über die Kirchengemeinde hinaus.

 

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