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Erinnerungen:

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Februar / März 1945: Kurz vor dem Ende

Heute ist der 19.05.2019.
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Erinnerungen von Pfarrer Schliephacke

WendlandSchliephackeBild links: Pfarrer Bernhard Schliephacke mit Konfirmanten, 1936.
Bild rechts: sein Vorgänger Pfarrer Walter Wendland, 1924.

Pfarrer Bernhard Schliephacke (geb. 02.02.1897, gest. 10.05.1947) war von 1929 bis 1947 Pfarrer in Altfriedland. Er löste Walter Wendland ab, der bis 1929 Pfarrer in Altfriedland war.

Wegen Kriegsverletzungen aus dem 1. Weltkrieg - starke Schwerhörigkeit - war Pfarrer Schliephacke nicht im aktiven Miitärdienst. Seine Familie, Ehefrau und vier Söhne, reiste im Februar 1945 zu Verwandten nach Mitteldeutschland und erlebte dort nicht nur die Bombardierung von Halberstadt, sondern auch das Kriegsende. Er blieb bis zur Evakuierung im April 1945 in Altfriedland. Briefe, die Pfarrer Schliephacke im Februar und März 1945 aus Altfriedland an seine Familie schickte, sind noch vorhanden und geben einen Einblick in die Situation zu dieser Zeit. Nachfolgend Ausschnitte aus diesen Briefen:

18.02.1945: "... Hier ist jetzt eine Schreibstube der Flakartillerie. Im Plättzimmer ist eine Schusterwerkstatt. In der Küche wird den ganzen Tag geschmort und gekocht. Holz holen sich die Soldaten aus dem Walde. Heut vormittag, ich war gerade in Ringenwalde, hat ein russ. Flieger ein Loch in das Fenster des Fremdenzimmers geschossen. Es war gerade keiner drin..."

21.02.1945: "Hier ist die Lage unverändert. Wir müssen jetzt alle, Männer von 13 bis 65, Frauen von 15 bis 50 Jahren Schanzarbeiten machen von 8 bis halb 12 und von 2 bis halb 5. Für Mittagessen sorgen die Soldaten. Wir buddeln im Park. ... Morgen wieder Beerdigung. Der alte Koppe in W. gestorben.

26.02.1945: "Hier ist die Lage im ganzen unverändert. Immer noch Geschäftszimmer der Flak und viel Unruhe im Haus... Dieser Tage war mal wieder Räumungsbefehl. Alle Frauen mit Kindern sollten weg. Es ist aber keiner abgefahren. Jetzt soll nun das Vieh abtransportiert werden. Die Schanzarbeiten gehen weiter. Nachmittags muss ich meistens nach N., um Soldaten zu beerdigen. Heute waren es wieder 5. Mittwoch ist Beerdigung einer ganzen Familie aus Neufeld, Mann, Frau, 2 Kinder, die durch eine Bombe umgekommen sind."

04.03.1945: "In Reichenberg habe ich heute 19 Kinder eingesegnet, darunter Umquartierte aus Wriezen u. anderswoher ... Mein Auto wird die Wehrmacht übernehmen. Ich kam zufällig dazu, wie sie es abschleppen wollten. Sie hielten es für herrenlos."

05.03.1945 :"Hier ist alles unverändert. Wir haben alle viel Arbeit mit Schanzen an allen möglichen Stellen der Umgebung. ... Vor einigen Tagen habe ich die Tochter vom Bürgermeister Zubke in Neuhardenberg begraben. Sie war 24 Jahre alt, im Krankenhaus gestorben. Sehr traurig für die Eltern, da der einzige Sohn vor einiger Zeit gefallen ist ... Nächsten Sonntag beabsichtige ich, hier die Einsegnung zu halten, obwohl die Kirche mit ministeriellen Möbeln usw. angefüllt ist. Wenigstens ist der Raum vor dem Altar und das Gestühl in der Mitte frei geblieben. Einen Organisten habe ich auch schon unter den Soldaten entdeckt (Sanitätsfeldwebel). Ich hoffe, dass er bis Sonntag noch hier ist. Gestern in Reichenberg war die Einsegung sehr feierlich, die Kirche überfüllt.

12.03.1945: "Hier ist alles beim alten. Die Front noch ruhig, manchmal etwas Artilleriefeuer. Gestern war die Einsegnung. Es war fast wie in Friedenszeiten. Einige Kinder aus Neutrebbin habe ich mit eingesegnet, da P. Schmudde nicht da ist. Die Kirche war voll, auch zahlreiche Soldate dabei. Der Oberfeldwebel hat sehr schön Orgel gespielt."

15.03.1945: "Hier ist die Lage unverändert. Im Garten habe ich Mohrrüben gesät. Leider sind Gräben im Garten gezogen, die sehr hinderlich sind."

20.03.1945: "Es ist öfter Probelalarm, auch heute ganz früh. Dann eilen die Soldaten mit Panzerfäusten usw. und besetzen die vielen Gräben, die wir überall haben ... Von den Kämpfen bei K. hört man nur den dumpfen Kanonendonner."

25.03.1945: "Bei Ewest ist nun auch der andere Junge gefallen ... Die Gottesdienste am Karfreitag waren alle gut besucht. Hier hat wieder der Oberfeldwebel die Orgel gespielt."

30.03.1945: "Am Mittwoch, den 28.3. ist Bad Freienwalde beschossen worden. Dabei hat leider Herr Buchholz aus Ringenwalde, der zufällig beim Kreisbauernführer war, den Tod gefunden. ... Vor einigen Tagen wurde wieder einmal eine Anordnung des Landrats bekannt gemacht, dass alle Frauen mit Kindern unter 14 Jahren bis spätestens 3. April den Ort zu verlassen haben. Ich habe schon verschiedentlich gehört, dass die meisten in Frage kommenden Frauen doch hier bleiben wollen... Sonst geht alles seinen gewohnten Gang... Die Bauern sind fleißig bei der Feldbestellung."

 

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